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Bräuche in der kalten Jahreszeit
Von Glücksbringern aus Marzipan bis zum Stickmustertuch
Wenn Sie schon immer mal wissen wollten, was "Eisbein" mit Wintersport zu tun
hat, warum wir eigentlich Karneval feiern, was man in einer Licht- oder
Kunkelstube machte oder wieso zum Tanz eine Damenspende gereicht wurde, sollten
Sie die Sonderausstellung "Winterzauber" im Tonnengewölbe des Fürstenbaus
von Schloss Neuenburg besuchen. Sie widmet sich den für die kalte
Jahreszeit typischen Bräuchen und Beschäftigungen.
Im Winter, wenn die Tage kürzer werden und es draußen kalt ist, zog man sich
in die warmen Häuser zurück. Nun fand man Zeit, am gemütlichen Kachelofen
sitzend der Großmutter zu lauschen, die Märchen und Geschichten vorlas. Die
zauberhaften Winterlandschaften luden zum Skilaufen, Rodeln und
Schlittschuhfahren ein. Da die Feldarbeit im Winter ruhte, nutzte man nun die
Zeit für Heim- und Handarbeiten. In den Lichtstuben wurde gemeinsam gesponnen,
gesungen, aber auch ordentlich gefeiert. Fleißig stickten, strickten und nähten
die jungen Mädchen für ihre Aussteuer.
Im Advent begannen die Vorbereitungen auf das bevorstehende Weihnachtsfest -
es wurde gewerkelt und gebastelt. In der Küche roch es nach Plätzchen, Lebkuchen
und Stollen. Übrigens zählt der Stollen zu den ältesten Backwaren, die eigens
für die Weihnachtszeit hergestellt wurden. Schon im 14. Jahrhundert erteilte der
Bischof von Naumburg seinen Bäckern für deren Herstellung ein Zunftprivileg.
Neben der Weihnachtsbäckerei finden auch Aberglaube und Magie Erwähnung, mit
denen das Essen und Trinken in der kalten Jahreszeit verbunden war. Wer kennt
nicht den Brauch, eine silberne Schuppe des Silvesterkarpfens im Portemonnaie
aufzubewahren oder Glücksbringer aus Marzipan in Form von Schweinchen,
Schornsteinfegern und Hufeisen zu verschenken.
Etwas Licht und Frohsinn brachten neben dem Weihnachtsfest in die sonst eher
triste Jahreszeit rauschende Bälle und der Karneval. In der Ausstellung ist zu
erfahren, dass das närrische Treiben einen ernsten, religiösen Hintergrund
hatte.
Ergänzt werden diese Informationen durch zahlreiche interessante
Exponate. Da finden sich unter anderem kunstvoll gearbeitete Schlittschuhe aus
dem 19. Jahrhundert und Winterkleidung wie ein Pelzmuff aus der Zeit um 1900.
Auch historische Backmodeln für Lebkuchen sowie Handarbeitsgeräte, darunter ein
Spinnrad, sind zu sehen. Ein Stickmustertuch zeugt von Fleiß und
Fingerfertigkeit junger Damen des 19. Jahrhunderts. Repräsentative Utensilien
für die Ballnacht, aber auch ein Faschingskostüm aus der Zeit um 1930
dokumentieren das gesellige Vergnügen in der Winterzeit.
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