Rekonstruktionsversuch
Im Zusammenhang mit umfänglichen bauarchäologischen Untersuchungen im
sogenannten "Fürstenbau" konnte im Frühjahr 1993 das Badebecken der
herrschaftlichen Badestube teilweise freigelegt und dokumentiert werden. Diese
Badestube war sowohl aus einem Grundriss des mittleren 18. Jahrhunderts als auch
aus einer Inventarbeschreibung von 1771 bekannt.
Das Bad bestand ursprünglich aus der Badestube, einer Ankleidekammer, der
Feuerstelle sowie mehreren Vorräumen.
Die eigentliche Badestube ist ein gewölbter, annähernd quadratischer Raum mit
dem eingetieften, ca. 2,5 qm großen Wasserbecken in der Mitte und einem
Kamin. Die Gewölbefelder waren ornamental, ein mittleres Deckenbild mit
weiblichen Figuren und einem Hund an einem Bachlauf bemalt. Der Fußboden bestand
aus Alabasterplatten (in den Quellen als "Marmor" beschrieben), die in Mustern
verlegt waren.
Bleileitungen für kaltes und warmes Wasser führten von einem im Nachbarraum
befindlichen Kaltwasserbehälter und einer Feuerstelle zum Badebecken. Von dort
wiederum konnte das Abwasser über einen Abfluss in der südlichen Außenwand nach
draußen gelangen.
Der nördlich der Badestube gelegene Nebenraum diente als Ankleidezimmer. In
ca. 1,55 m über dem Fußboden ist an den Wänden eine horizontale Nut angebracht,
die Dübellöcher für Kleiderhaken enthält. Ein ovales Deckengemälde lässt nur
schwer zwei Figuren und Bäume erkennen. Unstrittig ist, dass die Deckengemälde
in beiden Räumen zu den eher selten erhaltenen Beispielen aus dem Herzogtum
Sachsen-Weißenfels gehören.
Die Heizstelle befand sich in einem kleinen Raum östlich neben der
Ankleidekammer, der im Jahre 1992 für die erste neue Dauerausstellung im Schloss
Neuenburg seit 1971 ("Der kleine Rundgang") als Küche eingerichtet worden ist.
Auf einem Grundriss von 1746/55 sind zwei Wandnischen zu erkennen, die auch
heute noch vorhanden sind. Die eine nahm den Kessel mit kaltem Wasser, die
andere die Feuerstelle und darauf den Kessel für heißes Wasser auf. Von beiden
Kesseln führte jeweils eine Leitung zum Badebecken in der Badestube.
Die im Jahre 1708 im Fürstenbau des Schlosses Neuenburg eingerichtete barocke
Badestube ist inzwischen seit über 15 Jahren wieder bekannt. Sie konnte aber
noch nicht öffentlich zugänglich gemacht werden, da die entsprechenden Mittel
für ihre Restaurierung fehlen.
Die kulturgeschichtlich bemerkenswerte Raumgruppe - Badestube, Ankleideraum,
Heizraum und Vorraum - harrt seitdem auf ihre Instandsetzung bzw. Restaurierung
und eine anschließende öffentliche Präsentation. Insbesondere steht eine
Entscheidung über den denkmalpflegerischen Umgang mit den Räumen noch aus.
Schon seit mehreren Jahren verfolgt der Verein zur Rettung und Erhaltung der
Neuenburg e. V. das Ziel, die außerordentlich selten überlieferten Räume eines
Barockbades wieder erlebbar und so anschaulich wie möglich zu machen. Damit
entstünde ein Schmuckstück von großem Seltenheitswert, das die ohnehin schon
bedeutenden Raumfolgen innerhalb des Schlosses von der Romanik bis zum 19.
Jahrhundert erheblich bereichern würde.
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