Zwischen dem heute so genannten Osttorhaus und dem Westtorhaus wurde um 1225
ein neuer Hof angelegt, der wie ein Zwinger ausgebildet war. Ob damals auf dem
Platz des Jägerhauses – in unmittelbarer Nachbarschaft eines Vortores im Bereich
des spätgotischen Osttores - bereits ein Gebäude stand, wissen wir nicht.
Aus einer Bauakte von 1688 erfahren wir indes, daß sich dort eine längst
eingefallene Badestube befand, an deren Stelle künftig ein Wohnhaus für die
Jäger errichtet werden sollte. Somit ist die schon für 1589 und 1656
überlieferte Badestube eindeutig lokalisiert. Eine Ansichtszeichnung von Wilhelm
Dilich (1626/29) zeigt diese als ein rechteckiges Gebäude mit einem hohen
Dach:

Zum Neubau des Jägerhauses kam es in den Jahren 1693 und 1694. Darüber werden
wir lediglich durch Frondienstregister informiert, die ausführlich über die
Hand- und Spanndienste zahlreicher Ortschaften des Amtes Freyburg berichten. Die
Jäger hatten die Aufgabe, die in einem Zeughaus neben dem Bergfried "Dicker
Wilhelm" gelagerten Jagdutensilien zu verwalten.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts wird das Haus als "wüste Baustelle" der
Jagdzeugknechtswohnung bezeichnet. Über das gesamte 19. Jahrhundert wohnte hier
ein Förster, der bei der Oberförsterei Pödelist-Freyburg beschäftigt war. Nach
deren Auflösung im Jahre 1929 wurde das Haus mehrfach vermietet. Nach 1945
wohnten Neubauern im Haus, von 1952 bis 1992 der ehemalige Museumsleiter Hellmut
Drescher. Nach jahrelangem Leerstand und mehreren Nutzungsüberlegungen wurde das
Haus 1999/2000 als ein Gästehaus des Vereins zur Rettung und Erhaltung der
Neuenburg e. V. ausgebaut, wobei denkmalpflegerischen Anliegen weitgehend
entsprochen werden konnte.
Das heutige Gebäude stammt aus den Jahren 1693/94, wie zum Beispiel einer
Federzeichnung von Carl Benjamin Schwarz von 1787 zu entnehmen ist:

Im Oktober 1792 stürzten die südliche Ringmauer mit einem daran befindlichen
Aborterker und ein Teil des hinter dem Hause befindlichen kleinen Binnenhofes
ab. In den beiden folgenden Jahren wurden das Gebäude repariert und seinem
Ostgiebel ein schmaler Gang vorgelagert – noch heute der Zugang zum Haus. Um
1910 erfolgte eine Veränderung am Treppenhaus, wobei Teile der äußeren
(südlichen) Burgmauer abgebrochen wurden. Im Zusammenhang mit der Nutzung als
Arbeiterwohnung der Domäne Schloß Neuenburg fand 1935 eine Modernisierung des
Inneren statt. Gravierender war schließlich der Ausbau des Jahres 1951: Damals
wurden zum Beispiel das Treppenhaus aufgestockt und die Eingangstür an die
heutige Stelle verlegt. Der jetzige Bauzustand des Hauses entspricht bis auf
eine Wand im Wohnzimmer des Erdgeschosses dem von 1951.