Fünfundsiebzig Jahre ist es her, dass in den Mauern des
Schlosses Neuenburg auf Initiative des Freyburgers Otto Krauschwitz erstmals ein
Museum eingerichtet wurde. Die zum Teil exotisch anmutenden Expositionen, wie z.
B. eine Südsee-Sammlung, lagen in der Berufstätigkeit des Museumsgründers als
Vermessungsoffizier bei der Kaiserlichen Marine begründet. Die Entwicklung des
Neuenburger Museums verlief jedoch keineswegs ungebrochen und so muss man
eigentlich von drei Museen sprechen. Mit dem Ende des 2.
Weltkrieges existierte das erste Museum nicht mehr, große Teile der Sammlungen
waren geplündert oder zerstört. 1951 eröffnete dann das zweite, kultur- und
naturhistorische Museum. Dessen erfolgreiche Entwicklung wurde 1971 jäh
unterbrochen. Aufgrund von Bauschäden erfolgte die Schließung. Ergebnis dieses
bis 1989 andauernden Zustands waren Verwahrlosung und Verfall. Nur dem beherzten
Eingreifen einer Freyburger Bürgerinitiative ist die Rettung der Anlage zu verdanken. Im Ergebnis jahrelanger Arbeit
präsentiert sich seitdem nun das dritte Museum mit einem breiten
Ausstellungsangebot. Kernstücke sind dabei die Ausstellungen "Burg und
Herrschaft" sowie das Weinmuseum von Sachsen-Anhalt "Zwischen Fest und
Alltag - Weinkultur in der Mitte Deutschlands". Ein beliebter Ort für
die jüngsten Besucher ist die "Kinderkemenate". Im Jubiläumsjahr beleuchtet eine Sonderausstellung im Bergfried "Dicker
Wilhelm" die unterschiedlichsten Aspekte und Facetten der
"Neuenburg-Museen".
Im Herbst steht dann ein besonderes Ereignis an: Eine neue
Dauerausstellung wird eröffnet. Schon im Jahr 2002 übereigneten private Stifter,
die Familie Hüttel von Heidenfeld und Partner, dem Museum eine wertvolle
Sammlung historischer Taschenuhren. Deren Präsentation erfolgt ab September
unter dem Titel "UhrZeit".
Seit 1993 ist Europas führendes Festival für mittelalterliche Musik "montalbâne" auf der Neuenburg und in der Stadtkirche St. Marien zu
Freyburg beheimatet. 2009 findet es unter Beteiligung der weltweit wichtigsten
Ensembles zum zwanzigsten Mal statt!
Und schließlich kann man in den Mauern der Neuenburg Heiraten, Feiern, Tagen, einheimische Weine
verkosten, im Museumsladen Stilvolles erwerben sowie in den Ferienwohnungen im
Brunnenhof auch übernachten und erholsame Tage verbringen.
75, 3, 1, 20 - egal mit wie viel Personen Sie uns
besuchen oder wie lange Sie bleiben: es lohnt sich!
Vor zwanzig Jahren fiel mit der "Berliner Mauer" das wohl symbolträchtigste
"Denkmal" der Teilung Deutschlands und des Kalten Krieges.
Während man sich über den "großen" Mauerfall freuen konnte, waren andere
Mauern in beängstigendem Maße am Fallen - die Mauern der Neuenburg. Nach fast
zwanzig Jahren der Schließung bot sich ein Bild der Verwahrlosung und des
Verfalls, eine der bedeutendsten hochmittelalterlichen Burgen Mitteldeutschlands
war in ihrer Existenz bedroht.

Zaun mit Stacheldraht im Brunnenhof 1989
Doch erregten diese kaputten Mauern auch Menschen, die den Verlust nicht mehr
tatenlos hinnehmen wollten! Im Wendeherbst des Jahres 1989 bildete sich in
Freyburg eine Bürgerinitiative, welche die Burg friedlich "stürmte" sowie die
Einsetzung einer neuen Museumsmannschaft und den Beginn der Rettungsarbeiten
erwirkte. In den Folgejahren entwickelte sich die Wiedererstehung der Neuenburg
zu einem wahren Gemeinschaftswerk von Ost und West; vom Engagement der
öffentlichen Hand, privatem Einsatz und privatwirtschaftlicher Hilfe. Noch heute
ist dieses gemeinsame Bemühen am Zusammenwirken der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt,
des Vereins zur Rettung und
Erhaltung der Neuenburg e. V., des Burgenlandkreises, der Stadt Freyburg und
der vielen Freunde und Förderer erkennbar.
Nachdem die Neuenburg seit 1991 erstmals im Rahmen von "Baustellenführungen"
wieder zugänglich wurde, kamen in der Folgezeit eine Vielzahl von
Ausstellungsbereichen und Angeboten hinzu: 1992 die romanische
Doppelkapelle und der Kleine Rundgang mit der Ausstellung zu Küche und
Hofhaltung der sächsischen Fürsten sowie dem Sonderausstellungsbereich im Tonnengewölbe
des Fürstenbaus, Mitte der 1990er Jahre die Räume zur Nutzungsgeschichte in
Renaissance und Barock, der Festsaal mit dem Jagdzimmer sowie der prächtige Fürstensaal, 1996
die "Kinderkemenate"
als besonderes Angebot für die jüngsten Besucher, 1998 das Weinmuseum
Sachsen-Anhalts "Zwischen Fest und Alltag – Weinkultur in der Mitte
Deutschlands" und 2003 die Exposition "Burg und Herrschaft - die Neuenburg
und die Landgrafschaft Thüringen im hohen Mittealter" zur Blütezeit der
Neuenburg, mit der sich so klangvolle Namen wie der des Kaisers Friedrich
Barbarossa, der bedeutenden Landgrafen von Thüringen, des Dichters Heinrich von
Veldeke und schließlich Elisabeths
von Thüringen verbinden. Die saisonalen Sonderausstellungen im Bergfried "Dicker
Wilhelm" und in der Kernburg runden das umfangreiche museale Spektrum
ab.

Brunnenhof heute
Zusätzlich bieten zahlreiche Veranstaltungen wie "Walpurgis-Nacht-Rock", das
mittelalterliche Burgfest
zu Pfingsten oder der St.
Martins-Markt im November unvergessliche Erlebnisse. Seit 1993 ist das
europaweit führende Festival für mittelalterliche Musik "montalbâne"
auf der Neuenburg und in der Stadtkirche St. Marien zu Freyburg beheimatet. Und
schließlich kann man in den Mauern der Neuenburg Heiraten, Feiern und Tagen sowie
in den Ferienwohnungen
im Brunnenhof oder den Gästezimmern im Siedlerhaus auch übernachten und
erholsame Tage verbringen.
Mauern gefallen?! - im alltäglichen Leben gibt es ja diesbezüglich
mit Blick auf verschiedenste Situationen immer wieder Zweifler. Trennendes
überwinden und Einendes erleben, das ist der Anspruch der Neuenburg: In der
Hoffnung, dass an und in diesen historischen Mauern alle Gefallen
finden!