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Unsere jährlichen Vereinsfahrten



Vereinsfahrt 2010

Unsere 15. Vereinsfahrt führt uns vom 3. bis zum 5. September 2010 zu den Burgen und Schlössern in Mecklenburg



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Vereinsfahrt 2009

Stippvisite in Ostthüringen

Die 14. Burgenfahrt brachte ein Wiedersehen mit der ehemaligen Direktorin Kristine Glatzel. Am Schluss der dreitägigen Reise wurde im Schloss Greiz eine sensationelle Entdeckung präsentiert.

Die Besichtigungen begannen auf Schloss Großkochberg, wo Goethe viele Male bei Charlotte von Stein zu Gast war

 

Der Besuch von Kirchen, Burgen und Schlössern in Ostthüringen stand auf dem Programm der 14. großen Fahrt des Vereins zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg, die vom 4. Bis 6. September 2009 stattfand. Drei Tage lang erkundeten 50 Mitglieder des Vereins mehr oder weniger bekannte Denkmale in Großkochberg, Bad Blankenburg, Saalfeld, Rudolstadt, Schwarzburg, Ranis, Burgk und Greiz. Eigentlich stand auch die romanische Klosterruine Paulinzella auf dem Besichtigungsprogramm, aber die berühmt-berüchtigten unüberschaubaren thüringer Straßensperrungen machten diesem Vorhaben einen dicken Strich durch die Rechnung.

Die Route und die Führungen in den verschiedenen Objekten hatte Vereinsmitglied Reinhard Schmitt in bewährter Weise bestens abgestimmt und organisiert. Zudem hatte Schmitt einen kleinen Reiseführer zusammengestellt, in dem die wichtigsten Informationen zu den Reisezielen zusammengetragen sind.

Einer der Höhepunkte dieses Ausflugs war das Wiedersehen mit der ehemaligen Direktorin von Schloss Neuenburg, Kristine Glatzel. Sie lebt seit drei Jahren wieder in ihrer Heimat, in der Nähe von Schwarzburg. Frau Glatzel, die nun im Vorstand des Fördervereins Schloss Schwarzburg aktiv ist, führte durch den ehemaligen Stammsitz des alten Grafen- und Fürstengeschlechtes, der Schwarzburger. Das Schloss selbst fiel 1940 den Umbauplänen der Nazis weitestgehend zum Opfer. Seither ist es eine Ruine. Extra für die Mitglieder des Vereins zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg führte Frau Glatzel durch das weitestgehend entkernte ehemalige Schlossgebäude. Sie informierte zudem über den aktuellen Stand der Sanierungsvorhaben am ehemaligen Zeughaus. Die Arbeiten haben gerade begonnen. Nach Fertigstellung soll hier die umfangreiche Waffensammlung der Schwarzburger Fürsten präsentiert werden. Der Rundgang auf dem Schlossberg endete im bereits in den 70er Jahren sanierten Kaisersaal.

Das entkernte Schloss Schwarzburg, das den Umbauplänen der Nazis zum Opfer fiel

 

Ziele am ersten Tag der Fahrt waren Schloss Großkochberg, die Burgruine Greifenstein und in Saalfeld die Schlosskapelle sowie die erst kürzlich sanierte romanische Burgruine Hoher Schwarm und die Johanniskirche. Am letzten Tag der diesjährigen Burgenfahrt ging die Reise auf die andere Seite der oberen Saale. Burg Ranis - die Anlage wird seit Jahren mit viel Aufwand aufgehübscht, empfing die Besucher in den frühen Morgenstunden bei schönstem Sonntagswetter. Über die Hohe Straße, die ehemalige Via Regia, fuhr der Reisebus anschließend in Richtung Schleizer Seenplatte in das einstige Gebiet des kleinen Fürstentums Reuß. Schloss Burgk hat sich, anders als die Burg Ranis, schon seit langem vom einstigen Geheimtipp zum Besuchermagneten entwickelt. Das konnten auch die Mitglieder des Neuenburgvereins während ihres Rundgangs durchaus feststellen.

Die Burg Ranis ist eine der interessantesten Anlagen Mitteldeutschlands

 

"Sensationelle Entdeckung im Schloss!", damit war das letzte Ziel der 14. Vereinsfahrt überschrieben. Der Bus rollte in Richtung Thüringisches Vogtland, nach Greiz. Nachdem der Schlossbergfelsen, auf dem das obere Schloss steht, erklommen war, wurde durch Reinhard Schmitt die Sensation präsentiert. Im Rahmen bauhistorischer Untersuchungen, bei denen Reinhardt Schmitt mitwirkte, wurden kürzlich Reste eines romanischen Palas und einer Doppelkapelle freigelegt. Auch hier gab es eine Führung durch die Teile des Schlosses, die jüngst saniert wurden.

Im oberen Schloss der Stadt Greiz entdeckten wir Reste eines romanischen Palas und einer Doppelkapelle

 

Die 15. Burgenfahrt, das wurde demokratisch entschieden, führt nach Mecklenburg-Vorpommern.

Helga Heilig in "Naumburger Tageblatt" vom 03.10.2009



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Vereinsfahrt 2008

13. Vereinsfahrt nach Westböhmen

Ein Reisebericht von Lydia Winkler

Zum 13. Mal ging es für die Mitglieder des Vereins zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg gemeinsam auf Entdeckungsreise. Der größte zur Verfügung stehende Bus wurde bestellt, um 53 Reiselustige und den Reiseleiter unterzubringen. Die Tour ging in Richtung Süden, und, zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte, ins Ausland: nämlich nach Tschechien. Im Focus standen die westböhmischen Burganlagen. Die sprachlichen Hürden nahm Roman Grabolle. Dank Herrn Grabolle, der sein Studium der Ur- und Frühgeschichte teilweise in Prag absolvierte, konnten wir Führungen von tschechischen Fachleuten genießen. Das Programm war nicht so vollgepackt wie sonst - maximal drei bauliche Anlagen pro Tag mussten genügen. Die freie Zeit wurde schwatzend und Kaffee trinkend ausgefüllt.

Am Freitag, den 28.August 2008, ging es in bewährter Weise los: der Bus holte die Teilnehmer an den Einstiegsstationen in Freyburg und Naumburg ab, um dann auf der Autobahn 9 das erste Ziel anzusteuern, die böhmische Burg in Ostroh/Seeberg. Diese ehemalige Wasserburg romanischen Ursprungs wurde fast komplett erneuert und beherbergt heute eine Ausstellung mit Möbeln und Geschirr verschiedener Epochen. Der Archäologe, Herr Dr. Pavel Šebesta, unser tschechischer, aber deutschsprachiger Führer, begleitete uns bis auf die Kaiserpfalz in Cheb/Eger, wo ein besonderer baulicher Leckerbissen auf uns wartete: Die Doppelkapelle aus dem frühen 13. Jahrhundert. Nach einer umfassenden Darlegung der Sanierungs- und Ausgrabungsgeschichte der Anlage, machte er uns mit den Besonderheiten der Pfalzkapelle vertraut. Besonders aufmerksam untersucht wurden die phantasievollen Motive der Säulenkapitelle, die über die Darstellung bärtiger Herrengesichter und Ungeheuer bis zum Lebensbaum reichen.

Doppelkapelle in Cheb/Eger

Doppelkapelle in Cheb/Eger

Nach der Besichtigung standen dann ganz andere Leckerbissen für uns bereit - es war Zeit für das traditionelle Picknick. Unser Bus parkte direkt neben einem kleinen Park unterhalb der Altstadt und die zwei vorhandenen Bänke wurden zum Büfett aufgerüstet. Aufgetafelt wurden von Frau Berbig und anderen engagierten Mitgliedern selbst geformte Klöpschen, hausgemachte Leberwurst, frisch geerntete Trauben vom Weinberg Fachmann, süße Leckereien vom Freyburger Bäcker und allerhand für die trockene Kehle.

Nach der Stärkung fuhren wir mit dem Bus weiter nach Loket/Elbogen, um im Hotel St. Florian die Zimmer für die kommende Nacht zu belegen. Doch noch war nicht Feierabend. Die Burg, die auf dem Berg über unserer Unterkunft steht, wartete auf uns. Die Wege auf dem Hof und in der Burg sind verschlungen. Holzgedeckte Burgmauern und Türme, seltene Ausstellungsstücke und eine Hochzeitsgesellschaft fesselten unsere Aufmerksamkeit. Die Burganlage befindet sich auf einem Granitfelsen, der von der Eger umflossen wird, was heute sehr malerisch daherkommt.

Nach dem zünftigen Abendbrot mit Knödeln und Schweinebraten ging es für einige noch zur "Arbeitsbesprechung" in den Bierkeller. Der nächste Morgen startete mit einem Geburtstagsfrühstück für unseren Vereinsvorsitzenden Dr. Fachmann. Im Bus wurde von Herrn Ebert das am Abend zuvor gedichtete Geburtstagslied mit Unterstützung aller zum Besten gegeben. So fröhlich gestimmt, wurde die erste Burg bzw. das erste Schloss des Tages erobert, in Bečov nad Teplou/Petschau an der Tepla. Obwohl es sich um eine große, wunderschön gelegene Anlage im Karslbader Kreis handelt, war unsere Reisegesellschaft zur Teilung verpflichtet. So schauten sich einige die Räume mit Ausstellung im Schloss an und andere die Baustelle in der Burg. Unter dem Fußboden der Burgkapelle wurde 1985 die Reliquie des Heiligen Maurus entdeckt. Maurus war ein christlicher Priester im 3. Jahrhundert. Seine Gebeine werden heute in dem Reliquienschrein im Schlossmuseum ausgestellt als wertvolles Relikt der Goldschmiedekunst in Tschechien.

Im Burghof von Bečov

Hinter dem Schloss befindet sich die romanische Burganlage, die im 30-jährigen Krieg stark zerstört worden ist. An den Außenwänden sind die Spuren fast jeder Bauepoche zu erkennen. Die Burg Bečov ist eine der bedeutendsten Burgbauten Böhmens. Der Wohnturm überrascht mit seiner ungewöhnlichen Wohnlichkeit. Große, beheizbare Räume mit ausgemalten Fensternischen befinden sich auf mehreren Etagen. Aufgrund der Baumaßnahmen war auch der Blick in das riesige Dachtragwerk freigegeben. Wieder an der frischen Luft, stachen die barocken Gartenanlagen unterhalb der Burg besonders kontrastreich hervor.

Beim ortsansässigen Bäcker wurden die Brotvorräte aufgestockt und bei herrlichem Sonnenschein ging es nun, weitere Burgen am Wegesrand stehen lassend, direkt zum Mittagsmahl in den Kurort Konstantinovy Láznĕ/Konstantinbad. Und auch dort kamen die meisten um Knödel nicht herum, die bei Familie Bocan serviert wurden.

Nach einer kurzen Busfahrt und einem kleinen Spaziergang kletterten wir auf der Burgruine Gutštejn bei Okrouhlé hradištĕ-Dankov/Guttenstein. Vor dieser wildromantischen Kulisse entstand dann unser Gruppenphoto. Herr Tomáš Wizovský, Magister und Burgenführer, knipste sich geduldig mit allen(?) Apparaten durch, dafür herzlichen Dank.

Gruppenbild mit Apparat von Frau Wiegel

Schließlich erreichten wir Horšovský Týn/Bischofeinitz. Neben bunten barocken Giebeln am Markt stehen die gelben, mit schwarzen und braunen Steinen angemalten Fassaden der Schlossanlage. Nach einer sehr langen Führung wussten wir dann, daß die Prager Bischöfe einst die Burganlage zur Zeit der Gotik ausbauen ließen. Ein beeindruckendes Zeugnis ist die heute in der Höhe "halbierte" Kapelle, die trotz dieses Umbaus nicht zum Bautyp der Doppelkapelle angehört. Mitte des 16. Jahrhunderts folgte dann der heute noch prägende Umbau im damals aktuellen Stil der Renaissance.

In Stříbro/Mies wartete das erste Hotel am Platze auf seine Gäste. Zur Begrüßung spielte das Glockenspiel des Rathauses eine altertümliche Weise. Ja, das Reiseglück war uns durchaus hold. Der Tag fand in urigen Bierstuben der Stadt sein Ende, mit typischen Spezialitäten, wie z.B. Knoblauchsuppe oder Palatschinken.

Am Sonntag dann fand sich schon das nächste Geburtstagskind in unseren Reihen. Auch Frau Wemme gratulierten wir mit einem Ständchen.

Faszinierende Sternengewölbe wurden unter hohem persönlichem Einsatz, teilweise auf dem Rücken liegend, in Bor u Tachova photographiert. Zur weiteren körperlichen Ertüchtigung erstieg man dann den sehr spitzen gotischen Bergfried und ließ die langen Fahnen von den Zinnen flattern. Schon vor dem Turm war uns ein großer Sandstein aufgefallen, der von einem merkwürdigen Vogel geziert wurde. Ente oder Gans?, das war die Frage. Doch weder noch: ein Schwan war zu sehen, das Wappentier der Schwanberger. Es sollte uns noch einmal begegnen.

Doch zunächst hieß unser nächstes Ziel Primda/Pfraumberg. Es war warm, der Burgberg hoch, und so kam es, daß nur die wanderfreudigsten Teilnehmer die Reste einer kleinen romanischen Burganlage zu Gesicht bekamen. Diese Steine aber haben es in sich. Sie stellen den ältesten romanischen Wohnturm in Böhmen dar! Die Bergkuppe ist nicht sehr groß, doch wir hatten diesmal alle Platz und konnten bei der Aussicht auf den Bayerischen Wald den Ausführungen unseres Führers lauschen.

Zwei Bergsteiger

Nach der Rückkehr der Bergsteiger gab es noch mal Knödel für alle - oder ein anderes Essen nach Vorauswahl. Das Verdauungsschläfchen wurde im Bus gehalten auf der Reise gen Heimat.

In Lauf an der Pegnitz machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Wenzelschloss. Es passte gut in das bewältigte Programm, schlug es doch einen Bogen zu den bisher besichtigten Burgen. Für uns wurde der einzigartige Wappensaal aufgeschlossen. Hier haben an den Wänden eines Raumes 114 farbig gefasste Wappenschilder von böhmischen Adelsgeschlechtern Platz gefunden. König Karl IV ließ um 1360 auf der Pegnitzinsel diese Burg als Rastplatz auf dem Wege von Nürnberg nach Prag errichten. Den Namen erhielt das Schloss von dem böhmischen Heiligen Wenzeslaus. Und hier, zwischen Sternen und Handschuhen, diagonalen Balken und Adlern, tanzte auch wieder der Schwan auf den Bergen und verkündet uns noch heute von den Zeiten, als die Schwanberger was zu sagen hatten.

Beim Abschlusspicknick irgendwo an der großen Autostraße nach Norden wurde dann wieder demokratisch über das Reiseziel im nächsten Jahr abgestimmt, und eins ist sicher: die Burgen werden nicht zu kurz kommen!

Photos: Tomáš Wizovský, Petra Wiegel (Eger), Lydia Winkler



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Vereinsfahrt 2007

Erwartungsvoll und frohgelaunt trafen wir uns am 31. August wie gewohnt am Kirchplatz zur 12. großen Vereinsfahrt. Nachdem das Gepäck verstaut war und jeder Reiseteilnehmer im Bus Platz genommen hatte, sprach es sich schnell herum, dass mit Frau Wemme ein Geburtstagskind unter uns weilte. Für das Geburtstagsständchen wurden wir mit einem leckeren Wackelmann belohnt.

Wie auch in den vergangenen Jahren übergab uns Herr Schmitt einen von ihm erarbeiteten, „kleinen Reiseführer“, so dass jeder die Möglichkeit hatte, sich auf das bevorstehende Programm einzustimmen.

Zuerst war die Besichtigung der Burg Adelebsen geplant, was aber aus Zeitgründen leider nicht möglich war.

In Bad Gandersheim angekommen, besichtigten wir die alte Stiftskirche, deren Kirchenraum das Gotteshaus eines Frauenstifts war. Die Kanonissen prägten über 1000 Jahre die Geschichte Gandersheims und der Region.

In der „Schatzkammer“ der Stiftskirche konnten wir die kostbaren Exponate, die bisher nur auf Sonderausstellungen gezeigt wurden, vor Ort betrachten. Auf unserem Rundgang durch die Stiftskirche – einer romanischen Basilika – wurden wir auch an Roswitha von Gandersheim – die erste literarisch tätige Frau des Mittelalters – erinnert.

Unsere Roswitha, aus Hirschroda kommend, macht sich seit Jahren einen Namen als Organisationstalent bei der Vorbereitung der Vereinsfahrten. Beim Einkauf für das Picknick denkt sie sowohl an die Naschkatzen unter uns aber auch an jene, die es deftiger mögen, wovon wir auch diesmal profitierten.

Bei einem geführten Stadtrundgang durch die ehemalige herzogliche Residenzstadt Wolfenbüttel begeisterten wir uns für die schönen Fachwerkhäuser. Unsere Stadtführerin machte uns neugierig auf die Herzog-August-Bibliothek, das Lessinghaus und andere Sehenswürdigkeiten der Altstadt.

Am späten Nachmittag bezogen wir Quartier im Hotel „Tulip Inn“. Nach dem schmackhaften Abendessen ließen wir das Erlebte in gemütlicher Runde Revue passieren. Am Sonnabend fuhren wir nach Goslar, um dort die Kaiserpfalz zu besichtigen, die, trotz starker Umbauten im 19. Jahrhundert, ihre romanische Grundgestalt aus dem 11. und 12. Jahrhundert bewahrt hat.

Beeindruckt waren wir von den heroischen Wandgemälden im Kaisersaal, welche die Sternstunden deutscher Geschichte im Mittelalter und der wilhelminischen Reichsgründung zeigen. Zu den original erhaltenen Teilen der Kaiserpfalz gehört übrigens die Ulrichskapelle mit dem Grab Kaiser Heinrich des III.. Die Vielzahl historischer Bauten in Goslars Altstadt lässt erahnen, wie der Erzreichtum des Rammelsberges zum Reichtum der Bürger beigetragen hat.

Auf dem Marktplatz mit dem alten Brunnen, auf dem der goldene Reichsadler thront, wurde ebenso wie unter den Laubengängen des Rathauses gehandelt. Die in der Mauer eingelassene Elle sorgte für eindeutige Maße. Davor steht der Pranger, eine Holzsäule, an der Missetäter angekettet wurden. Bloß gut, dass es derartige Bestrafungen heutzutage nicht mehr gibt. Schade, dass wir das Glockenspiel, dessen Figuren die Geschichte des Harzberghaus` darstellen, nicht hören konnten.

Am Nachmittag besichtigten wir das Kloster Riechenberg, tranken im Kloster Wienenburg/Wöltingerode Kaffee und erlebten anschließend eine interessante Führung durch die historische Klosterbrennerei. Wir erfuhren, dass die Zisterzienser-Nonnen die Brennkunst einführten.

Wie Jahrhunderte lang im Kloster üblich, wird noch heute der Feinbrand nach alten und bewährten Rezepturen weiter verarbeitet. Im Gewölbekeller der Klosterkirche ließen wir uns bei einer Verkostung den Abt, den Ingwerlikör und andere edle Spirituosen schmecken. Unser Feinschmecker, Herr Schmitt, hat hier mit Gewissheit ein besonderes Gaumenerlebnis verpasst.

Am Sonntagmorgen nahmen wir Abschied von Wolfenbüttel. Auf der Heimfahrt machten wir Station in Braunschweig. Bei einer Stadtführung erfuhren wir, dass die Stadt unter Heinrich dem Löwen (1129 – 1195) entstand und konnten zahlreiche historische Sakralbauten bestaunen.

Ein unvergessliches Erlebnis war auch die Ausstellung des Welfenschatzes im Herzog-Anton-Ulrich-Museum.

Letzte Station auf unserer Vereinsfahrt war Königslutter, eine Kleinstadt, die wie Freyburg für ihren Muschelkalk bekannt ist. Wir besichtigten die Stiftskirche mit dem Löwenportal und dem gut erhaltenen Kreuzgang.

Mit reichlich neuem Geschichtswissen gesättigt, konnte das abschließende Picknick auf einem Rastplatz noch einmal dazu dienen, die Eindrücke der Fahrt zu verdauen und den Organisatoren Herrn Schmitt und Frau Berbig sowie dem Busfahrer, der diesmal so recht ins Konzept passte, herzlichst DANKE zu sagen.

Eberhard und Edda Fabian



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Vereinsfahrt 2006

Wenn einer eine Reise macht ...

Am ersten Septemberwochenende 2006 hatten wir das Vergnügen, mit den Mitgliedern des Neuenburgvereins die Sehenswürdigkeiten des Kreises Schmalkalden-Meiningen zu entdecken. Obwohl wir im Freistaat Thüringen unterwegs waren, lag den Schmalkaldenern daran klarzustellen, dass sie sich zu den Hessen zählten. Und die Meininger gelobten, Preußen zu sein.

Die Geschicke des Landstrichs bestimmten lange Zeit die Grafen des Henneberger Geschlechts. Sie haben zahlreiche bauliche Spuren hinterlassen. Zum Beispiel in Veßra, dort errichteten sie ihr Hauskloster. Wo früher reges Mönchsleben stattfand, kann man heute im Agrarhistorischen Museum alte wiederaufgebaute Werkstätten und Wohnhäuser besichtigen. Von der Kirche sind nach einem Brand im 20. Jahrhundert noch der imposante Westbau und die Umfassungswände erhalten geblieben.

Den Hausberg der Henneberger erklommen wir im Rahmen des selbstauferlegten Frühsportprogramms. Auf dem Henneberg ließen sich die Herrschaften eine rundbogige Öffnung in ihre Burgmauer herstellen, um der herrlichen Aussicht einen schönen Rahmen zu verpassen. Wir konnten von den Ruinen über die wiederzugemauerte Bogenöffnung Richtung Westen noch eine weitere Befestigungsanlage erkennen. Vielleicht wird der Wachturm an der Zonengrenze in einiger Zeit auch als Ausflugsziel Bewunderung finden, wie die Reste der Bergfriede der Ruine Henneberg.

Viel Arbeit haben die Herrenbreitunger mit ihren Kloster- und Schlossgebäuden noch vor sich. In der Kirche ohne Chor waren angekohlte Holzplastiken ausgestellt und vermittelten einen Eindruck von Weltoffenheit in dem ansonsten fast schmucklosen Raum. Vom Turm konnte man einen schönen Blick über das Werratal genießen. Zum Gelände um die Kirche gehört auch ein kleiner Kräutergarten mit herrlich duftendem Ananassalbei. Von dem Förderverein vor Ort wurde uns selbstgebrauter Holunderblütensaft angeboten. Insofern sprach dieser Aufenthalt alle Sinne an.

Auf eine andere Art beeindruckend war die Führung durch die Burg in Schmalkalden. Nach Einführung der Mäßigung am Hofe durften nur noch 6 Becher Wein pro Tag getrunken werden – ein Becher fasste beinah einen ganzen Liter des Getränks! Auch sonst haben sich die Dimensionen geändert. Im Kamin der Schlossküche findet heute wohl eine ganze Einfamilienhausküche Platz. Rollwerk oder Schlagwerk? Um die Türen und Fenster der Räume war beides wiederhergestellt. Bei einem Orgelkonzert konnte man die protestantische Anordnung von Altar, Kanzel und Orgel in Augenschein nehmen.

Eine Ahnung vom Leben im Mittelalter vermittelte ganz besonders gut die Burg in Kühndorf. Die kuriose Geschichte des Ausbaus durch den Johanniterorden berichtete der Burgherr (kein Poppo) sehr anschaulich. Durch die Nutzung als Familiensitz strahlte die gesamte Anlage viel Lebendigkeit aus. Das schöne Wetter, der mit Blumen geschmückte Innenhof und die Freiheit zum Selbsterkunden haben diese Station zu einem besonderen Erlebnis gemacht.

In Meiningen besuchten wir die Elisabethenburg, eine vierflüglige Schlossanlage mit unzähligen Zimmerfluchten. Im Schloss waren viele authentische Objekte aus den Anfängen der Theaterzeit ausgestellt, so auch ein hölzerner Kaminvorbau. Für die große Kostümausstellung in den Fluren blieb nur ein kleiner Seitenblick, da der Schwerpunkt der Führung vor allem auf den historischen Zimmerausstattungen lag.

Einen stillen Schauer (nach Anweisung) konnte man in der Krypta der Rohrer Kirche spüren. Vor 1000 Jahren wurde dieser Raum erschaffen. Was macht es da schon, dass auf der Suche nach einem Lichtschalter plötzlich die Glocken anfingen zu läuten? Aus Versehen hatte jemand den Schalter für die elektrische Läutanlage umgelegt und so ein spontanes Glockenkonzert ausgelöst. Auch wenn bis unter die Traufe der Kirche noch karolingische Spuren zu finden waren, der romanisch anmutende Tordurchgang in der Kirchhofmauer wurde als Neubau von 1935 entlarvt.

Die Klosterkirche in Klosterrohr ließ eine Innenbesichtigung nicht zu, weil dort eine Kegelbahn eingebaut wurde. Von Außen ist die Gliederung der ehemaligen Nonnenkirche trotz Anbau des Treppenturmes noch gut ablesbar. Doch bot sich das Objekt zur Diskussion über die Um- und Weiternutzung von historischen Gebäuden an.

Die Besichtigung der romanischen Niederungsburg in Untermaßfeld erfolgte aus sicherer Entfernung. Denn die heutige Nutzung als Strafvollzugsanstalt erschwert den Auslass von Besuchern. Dafür wurde die Phantasie über den Zustand der Gemäuer umso mehr angeregt.

Mit dem Irrglauben an die Wehrkirchen wurde auf dieser Reise Schluss gemacht. Dafür erkennen wir jetzt befestigte Kirchhöfe. Typisch für sie sind Umfassungsmauern mit wehrhaften Elementen, z.B. Schlüssellochschießscharten, wie sie in Walldorf noch vorhanden sind. In Belrieth und Vachdorf existieren außerdem noch entlang der Mauern Gaden, die zur Lagerung von Hab und Gut der einzelnen Familien dienten.

Im Regen verschwamm das Schleusinger Schloss, die Bertholdsburg. Und in unserem Kopf verschwammen die vielen Eindrücke.

Lebensgeschichten und Baugeschichte wurden für uns erlebbar. Für den reibungslosen Ablauf der Reise sorgte Roswitha Berbig. Die Auswahl der Objekte und die Vermittlung des kulturhistorischen Hintergrundes lagen in den Händen von Reinhard Schmitt. Dafür erhielten Sie den Applaus aller Teilnehmer. Für die freundliche Aufnahme im Kreise der langjährigen Vereinsmitglieder möchten wir uns herzlich bedanken.



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Letzte Aktualisierung am 06.04.2010