Unsere jährlichen Vereinsfahrten
Vereinsfahrt 2011
Eichsfeld war Ziel der 16. Vereinsfahrt des Fördervereins der
Neuenburg
Das Eichsfeld, geografischer Mittelpunkt von Deutschland, war das Ziel der
16. Vereinsfahrt des Vereines zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg e.V. vom
2. bis 4. September 2011. Der selbst nach der Reformation fast ausschließlich
katholische Landstrich besitzt eine faszinierende Schönheit und Menschen mit
einem ausgeprägten Heimatbewusstsein. Reinhard Schmitt, Organisator und Führer
dieser Reise, stimmte zu Beginn die Vereinsmitglieder ein: "Auf dieser Reise
besteht allerdings keine Aussicht, große Burgen wie beispielsweise die
Neuenburg, zu erkunden. Es erwarten uns kleinere Burgen und Klöster und viele
Burgruinen. Das Gebiet des Eichsfelds unterlag viele Jahrhunderte eine
wechselvolle Geschichte als Grenzregion".
Erstes Reiseziel war die Burgruine Hohnstein in der Nähe von Nordhausen. Die
Stammburg der ehemaligen Grafen und späteren Fürsten von Hohnstein wurde 1627
zerstört und ist jetzt eine Ruine, bei der zahlreiche Mauerreste der mächtigen
Befestigungsanlagen erhalten geblieben sind. Die Ausmaße der Burganlage konnten
nach einem steilen Aufstieg zu Fuß erkundet werden. Reinhard Schmitt erläuterte
an den markanten Punkten der Burganlage die einstigen Funktionen und
Ausdehnungen der Burgteile. Der Blick von einer in der Burgruine eingebauten
Aussichtsplattform in das weite Thüringer Land war großartig.
Vor der nächsten Besichtigung gab es zur Stärkung das traditionelle erste
Picknick der Vereinsfahrt, auf das sich immer alle Vereinsmitglieder freuen und
erste Eindrücke und Erwartungen austauschen. Im Kloster Walkenried, das 1098 von
den Zisterziensern gegründet wurde, erwartete uns ein modernes und innovatives
Klostermuseum. Die Führung im Kloster nahm uns mit auf eine faszinierende
Zeitreise durch die vollständig erhaltenen Klausurgebäude aus dem 13.
Jahrhundert, in denen durch akustische und visuelle Inszenierungen das
Mittelalter wieder lebendig wird. Im Außenbereich beeindruckte die riesige Ruine
des gotischen Chores.

Die nächste Burgruine war so gut versteckt bzw. zugewachsen, dass wir sie gar
nicht gefunden haben. Die Burg Sachsenstein gehörte zu den von Heinrich IV. um
1070 gegen die aufständischen Sachsen errichtete Burganlage. Unbeirrt setzen wir
unsere Reise fort und fuhren nach Heilbad Heiligenstadt zu unserer Unterkunft
mitten im historischen Stadtzentrum.
Der zweite Tag begann mit einer Wanderung zur Hasenburg, die zu den
bedeutendsten frühgeschichtlichen Burgen Thüringens gehört. Lang, lang ist es
her, dass Kaiser Heinrich IV. die Hasenburg in der Nähe von Buhla zu einer
Reichsburg ausbauen ließ. Doch schon im 13. Jahrhundert büßte die Hasenburg ihre
Bedeutung zu Gunsten der benachbarten Harburg ein. Bei Ausgrabungen in den 1970
und 1980er Jahren wurde ein Pfostenhaus teilweise rekonstruiert. Die fast von
der Natur wieder zurück eroberte Burg war für alle ein besonders romantischer
Rastplatz, nachdem der Aufstieg doch recht anspruchsvoll war. Hier entstand auch
das obligatorische Gruppenfoto mit allen Reiseteilnehmern.

In einem ganz anderen Zustand empfing uns die Burg Bodenstein. Im 10.
Jahrhundert als Reichsburg genutzt, kam sie nach mehrmaligem Besitzerwechsel
1448 in Besitz der Witzingeröder. 1945 wurde die Burg enteignet und geplündert
und seit 1948 als Erholungsheim genutzt. Seit 1994 befindet sich in der Burg die
Familienerholungs- und Begegnungsstätte der Evangelischen Kirche. Diese hat die
Wohnbereiche der Kirche aufwendig saniert und die Funktionsbereiche auf einen
modernen Stand gebracht. Es ist ein spannendes Ambiente zwischen zeitgemäßen
Ansprüchen und historischer Bausubstanz entstanden.
Eine weitere bauhistorische Rarität erwartete uns auf Burg Adelebsen. Der
freistehende fünfeckige Wohn- und Wehrturm entstand um 1300. Die Besteigung des
Turms war nach den bereits erfolgten Besichtigungen eine weitere körperliche
Herausforderung, die zusätzlich von einer Unmenge Dreck begleitet wurde, die
eine Dohlenkolonie im Turm hinterlassen hatte.
Am Tag drei unserer Vereinsfahrt standen die Burgruine Hanstein, die Burg
Scharfenstein und das Kloster Volkenroda auf dem Programm. Mitten im ehemaligen
Grenzstreifen bei Bornhagen liegt die Burgruine Hanstein. In der schönsten
Burgruine Mitteldeutschlands begrüßte uns standesgemäß ein Ritter. Auf Grund der
Lage der Burg wurde der Nordturm in der DDR-Zeit von den Grenztruppen als
Beobachtungsturm genutzt. Heute finden auf der Burg viele interessante
Veranstaltungen statt, von denen das Mittelalterfest im August ganze
Völkerscharen anzieht.
Bevor die Besichtigung des Klosters Volkenroda erfolgen konnte, fuhren wir
zur zwischen Beuren und Leinefelde gelegenen Burg Scharfenstein. Seit 2002 ist
die Burg im Besitz der Stadt Leinefelde, die seitdem viele Umbau- und
Sanierungsarbeiten auf der Burg vorgenommen hat. Die gute Lage der Burg und die
zahlreichen Nutzungsmöglichkeiten haben die Anlage wieder zu einem
Touristenmagnet werden lassen. Ganz anders zeigte sich das 1131 gegründete
Zisterzienserkloster in Volkenroda bei Mühlhausen. Von der ökumenischen
Kommunität der Jesus-Bruderschaft verwaltet, weht ein frischer Wind durch die
alten Mauern. Das Kloster punktet mit der ältesten noch erhaltenen
Zisterzienser-Klosterkirche in Deutschland und dem Christus-Pavillon, der nach
der EXPO 2000 dem Kloster übereignet wurde.
Mit zahlreichen neuen Eindrücken aus den historischen Burgen, Burgruinen und
Klöstern des Eichsfeldes wurde der Heimweg angetreten. Die starke Präsenz der
Heimatgeschichte in dieser Region und auch die Verbindung und Nutzung
historischer Bausubstanz mit den modernen Anforderungen des Alltags wird noch
lange nachwirken und zu neuen Ideen beflügeln. Bevor die Reise zu Ende ging,
wurde bei einem letzten Picknick die nächste Zielregion für die Vereinsfahrt
diskutiert und das Erzgebirge favorisiert. Auch dort werden uns wieder Burgen,
Schlösser, Kirchen und interessante Orte und Menschen erwarten.
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Vereinsfahrt 2010
Burgen, Schlösser und Herrenhäuser des Nordens erkundet
von Petra Wiegel
Der Besuch von Burgen, Schlössern und Herrenhäusern in Brandenburg und
Mecklenburg-Vorpommern stand auf dem Programm der 15. Vereinsfahrt des Vereins
zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg e. V., die vom 3. bis 5. September 2010
stattfand. Drei Tage lang erkundeten fünfzig Vereinsmitglieder und Freunde des
Vereins historische Zeitzeugen in Belzig, Ziesar, Paretz, Wittstock,
Neustadt-Glewe, Schwerin, Güstrow, Penzlin, Burg Stargard und Oranienburg.
Die Organisation der Reise und die Reiseleitung lagen wie bei jeder
Vereinsfahrt in den bewährten Händen von Vereins- und Vorstandsmitglied Reinhard
Schmitt. Dieser hatte auch wie in jedem Jahr zu allen Objekten einen kleinen
Reiseführer zusammengestellt, der viele Informationen zur Geschichte und
Baugeschichte enthielt.
Der erste Tag der Reise führte in den Fläming, die Burgenregion im Süden des
Landes Brandenburg. Auf der Burg Eisenhardt, die sich hoch über Belzig erhebt,
begann die erste Besichtigung. Die Backsteinburg wird von einem heute noch gut
erkennbaren Wallgraben umgeben. 997 erstmals erwähnt, zeigt die Burg eine
wechselvolle Geschichte. Eine Steinbrücke führt durch das von zwei Türmen
flankierte Torhaus. Im Innern der Burg steht ein mächtiger Bergfried aus
spätromanischer Zeit. Im 15. Jahrhundert wurde die Anlage zur Festung ausgebaut.
Sie ist eine der wenigen ihrer Art in Norddeutschland und damit ein wichtiges
Beispiel für den Übergang vom Burgen- zum Festungsbau. Heute beherbergt die Burg
ein Heimatmuseum, Grundbuchamt, Hotel und einen Trauraum.
Weiter ging die Fahrt nach Ziesar. Nach einem stärkenden Picknick wurde die
ehemalige Bischofsresidenz Burg Ziesar besichtigt. In einer innovativen
Dauerausstellung werden mittelalterliche Fußbodenheizungen, prächtige
Wandmalereien, vergessene Kamine und vieles mehr gezeigt. Sensationell sind die
großflächigen Wandmalereien im Jerusalemsaal, bei denen es sich vermutlich um
die Darstellung von Szenen der Heiligen Stadt handelt. Von der Kernburg haben
sich bis heute der bischöfliche Palas, die reich ausgemalte Burgkapelle und der
Bergfried erhalten.

Eingangsportal der Burgkapelle (1470) in Ziesar mit
Maßwerk
Bevor es zu den Unterkünften nach Wittstock weiterging, wurde im Schloss
Paretz die Sonderausstellung „Luise. Die Kleider der Königin“ besucht. Schloss
Paretz, 1797 von David Gilly erbaut, war der Lieblingssitz der preußischen
Königin Luise. Der Ausstellungsbesuch war eine interessante Ergänzung zu einem
Vortrag über das Leben der Königin, der beim Remisentreff im Juli zu hören
war.
Am nächsten Tag standen die Burg in Neustadt-Glewe, das Schweriner Schloss
sowie das Güstrower Schloss auf dem Programm. In Neustadt-Glewe konnte die
älteste Burganlage der Vereinsfahrt besucht werden. Eine engagierte
Museumsleitung hat in den letzten Jahren viel zur Attraktivität der Burg und
ihres Museums beigetragen. Höhepunkt des Tages war ganz sicher der Besuch des
mitten auf einer Insel im Schweriner See gelegenen Schlosses. Mit seiner
Architektur zählt das Schloss zu den bedeutendsten Bauten des Historismus in
Europa. Der Gang durch die ehemaligen Wohn- und Gesellschaftsräume von Friedrich
Franz II. und seiner Gemahlin war ein ganz besonderes Erlebnis. Prunkvoll und
verschwenderisch ausgestaltet, zeigen sie eindrücklich das höfische Leben der
damaligen Zeit.

Im Museum der Burg Neustadt-Glewe
Der dritte Tag der Reise begann mit einer kurzen Stippvisite in der Burg
Wittstock. Reinhard Schmitt übernahm hier selbst die kurze Führung und
erläuterte die Anlage, die im 12. Jahrhundert durch die Havelberger Bischöfe
erbaut wurde. Weiter ging es zur Burg Penzlin mit ihrer Präsentation des
spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Hexen(un)wesens und danach nach Burg
Stargard. Die Höhenburg Stargard ist das älteste weltliche mittelalterliche
Bauwerk in Mecklenburg-Vorpommern. Es wurde zwischen 1236 und 1270 erbaut. Heute
findet man auf der Burg das städtische Museum. Der Bergfried und der einstige
Torbau sind zugänglich; außerdem ist ein großer Kräutergarten zu
besichtigen.
Den letzten Halt legte unser Reisebus in Oranienburg ein. Nach einer
wechselvollen und folgenreichen Nutzungsgeschichte präsentiert das dortige
Schlossmuseum heute eine Sammlung einzigartiger Kunstwerke, darunter die
prächtigen Etagèren in der Porzellankammer. Herausragend ist eine Gruppe von
Sitzmöbeln aus Elfenbein, entstanden um 1640 in Brasilien. Ebenso bedeutend ist
eine Serie von Tapisserien aus der Manufaktur von Pierre Mercier in Berlin, die
die Ruhmestaten des Großen Kurfürsten schildern. Einen weiteren glanzvollen
Höhepunkt bildet das Silbergewölbe, in dem ausgewählte Beispiele königlichen
Prunksilbers gezeigt werden.
Mit der Besichtigung dieses vielleicht schönsten Schlosses in Preußen endete
die 15. Vereinsfahrt. Beim letzten Picknick auf dem Weg nach Hause wurde wie
immer demokratisch festgelegt, dass uns die Vereinsfahrt im nächsten Jahr in das
Eichsfeld führen soll.

Der Verein zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg e.V.
auf seiner 15. Vereinsfahrt nach Brandenburg und
Mecklenburg-Vorpommern
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Vereinsfahrt 2009
Stippvisite in Ostthüringen
Die 14. Burgenfahrt brachte ein Wiedersehen mit der ehemaligen Direktorin
Kristine Glatzel. Am Schluss der dreitägigen Reise wurde im Schloss Greiz eine
sensationelle Entdeckung präsentiert.

Die Besichtigungen begannen auf Schloss Großkochberg, wo
Goethe viele Male bei Charlotte von Stein zu Gast war
Der Besuch von Kirchen, Burgen und Schlössern in Ostthüringen stand auf dem
Programm der 14. großen Fahrt des Vereins zur Rettung und Erhaltung der
Neuenburg, die vom 4. Bis 6. September 2009 stattfand. Drei Tage lang erkundeten
50 Mitglieder des Vereins mehr oder weniger bekannte Denkmale in Großkochberg,
Bad Blankenburg, Saalfeld, Rudolstadt, Schwarzburg, Ranis, Burgk und Greiz.
Eigentlich stand auch die romanische Klosterruine Paulinzella auf dem
Besichtigungsprogramm, aber die berühmt-berüchtigten unüberschaubaren thüringer
Straßensperrungen machten diesem Vorhaben einen dicken Strich durch die
Rechnung.
Die Route und die Führungen in den verschiedenen Objekten hatte
Vereinsmitglied Reinhard Schmitt in bewährter Weise bestens abgestimmt und
organisiert. Zudem hatte Schmitt einen kleinen Reiseführer zusammengestellt, in
dem die wichtigsten Informationen zu den Reisezielen zusammengetragen sind.
Einer der Höhepunkte dieses Ausflugs war das Wiedersehen mit der ehemaligen
Direktorin von Schloss Neuenburg, Kristine Glatzel. Sie lebt seit drei Jahren
wieder in ihrer Heimat, in der Nähe von Schwarzburg. Frau Glatzel, die nun im
Vorstand des Fördervereins Schloss Schwarzburg aktiv ist, führte durch den
ehemaligen Stammsitz des alten Grafen- und Fürstengeschlechtes, der
Schwarzburger. Das Schloss selbst fiel 1940 den Umbauplänen der Nazis
weitestgehend zum Opfer. Seither ist es eine Ruine. Extra für die Mitglieder des
Vereins zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg führte Frau Glatzel durch das
weitestgehend entkernte ehemalige Schlossgebäude. Sie informierte zudem über den
aktuellen Stand der Sanierungsvorhaben am ehemaligen Zeughaus. Die Arbeiten
haben gerade begonnen. Nach Fertigstellung soll hier die umfangreiche
Waffensammlung der Schwarzburger Fürsten präsentiert werden. Der Rundgang auf
dem Schlossberg endete im bereits in den 70er Jahren sanierten Kaisersaal.

Das entkernte Schloss Schwarzburg, das den Umbauplänen der
Nazis zum Opfer fiel
Ziele am ersten Tag der Fahrt waren Schloss Großkochberg, die Burgruine
Greifenstein und in Saalfeld die Schlosskapelle sowie die erst kürzlich sanierte
romanische Burgruine Hoher Schwarm und die Johanniskirche. Am letzten Tag der
diesjährigen Burgenfahrt ging die Reise auf die andere Seite der oberen Saale.
Burg Ranis - die Anlage wird seit Jahren mit viel Aufwand aufgehübscht, empfing
die Besucher in den frühen Morgenstunden bei schönstem Sonntagswetter. Über die
Hohe Straße, die ehemalige Via Regia, fuhr der Reisebus anschließend in Richtung
Schleizer Seenplatte in das einstige Gebiet des kleinen Fürstentums Reuß.
Schloss Burgk hat sich, anders als die Burg Ranis, schon seit langem vom
einstigen Geheimtipp zum Besuchermagneten entwickelt. Das konnten auch die
Mitglieder des Neuenburgvereins während ihres Rundgangs durchaus
feststellen.

Die Burg Ranis ist eine der interessantesten Anlagen
Mitteldeutschlands
"Sensationelle Entdeckung im Schloss!", damit war das letzte Ziel der 14.
Vereinsfahrt überschrieben. Der Bus rollte in Richtung Thüringisches Vogtland,
nach Greiz. Nachdem der Schlossbergfelsen, auf dem das obere Schloss steht,
erklommen war, wurde durch Reinhard Schmitt die Sensation präsentiert. Im Rahmen
bauhistorischer Untersuchungen, bei denen Reinhardt Schmitt mitwirkte, wurden
kürzlich Reste eines romanischen Palas und einer Doppelkapelle freigelegt. Auch
hier gab es eine Führung durch die Teile des Schlosses, die jüngst saniert
wurden.

Im oberen Schloss der Stadt Greiz entdeckten wir Reste eines
romanischen Palas und einer Doppelkapelle
Die 15. Burgenfahrt, das wurde demokratisch entschieden, führt nach
Mecklenburg-Vorpommern.
Helga Heilig in "Naumburger Tageblatt" vom
03.10.2009
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Vereinsfahrt 2008
13. Vereinsfahrt nach Westböhmen
Ein Reisebericht von Lydia Winkler
Zum 13. Mal ging es für die Mitglieder des Vereins zur Rettung und Erhaltung
der Neuenburg gemeinsam auf Entdeckungsreise. Der größte zur Verfügung stehende
Bus wurde bestellt, um 53 Reiselustige und den Reiseleiter unterzubringen. Die
Tour ging in Richtung Süden, und, zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte, ins
Ausland: nämlich nach Tschechien. Im Focus standen die westböhmischen
Burganlagen. Die sprachlichen Hürden nahm Roman Grabolle. Dank Herrn Grabolle,
der sein Studium der Ur- und Frühgeschichte teilweise in Prag absolvierte,
konnten wir Führungen von tschechischen Fachleuten genießen. Das Programm war
nicht so vollgepackt wie sonst - maximal drei bauliche Anlagen pro Tag mussten
genügen. Die freie Zeit wurde schwatzend und Kaffee trinkend ausgefüllt.
Am Freitag, den 28.August 2008, ging es in bewährter Weise los: der Bus holte
die Teilnehmer an den Einstiegsstationen in Freyburg und Naumburg ab, um dann
auf der Autobahn 9 das erste Ziel anzusteuern, die böhmische Burg in
Ostroh/Seeberg. Diese ehemalige Wasserburg romanischen
Ursprungs wurde fast komplett erneuert und beherbergt heute eine Ausstellung mit
Möbeln und Geschirr verschiedener Epochen. Der Archäologe, Herr Dr. Pavel
Šebesta, unser tschechischer, aber deutschsprachiger Führer, begleitete uns bis
auf die Kaiserpfalz in Cheb/Eger, wo ein besonderer baulicher
Leckerbissen auf uns wartete: Die Doppelkapelle aus dem frühen 13. Jahrhundert.
Nach einer umfassenden Darlegung der Sanierungs- und Ausgrabungsgeschichte der
Anlage, machte er uns mit den Besonderheiten der Pfalzkapelle vertraut.
Besonders aufmerksam untersucht wurden die phantasievollen Motive der
Säulenkapitelle, die über die Darstellung bärtiger Herrengesichter und Ungeheuer
bis zum Lebensbaum reichen.

Doppelkapelle in Cheb/Eger

Doppelkapelle in Cheb/Eger
Nach der Besichtigung standen dann ganz andere Leckerbissen für uns bereit -
es war Zeit für das traditionelle Picknick. Unser Bus parkte
direkt neben einem kleinen Park unterhalb der Altstadt und die zwei vorhandenen
Bänke wurden zum Büfett aufgerüstet. Aufgetafelt wurden von Frau Berbig und
anderen engagierten Mitgliedern selbst geformte Klöpschen, hausgemachte
Leberwurst, frisch geerntete Trauben vom Weinberg Fachmann, süße Leckereien vom
Freyburger Bäcker und allerhand für die trockene Kehle.
Nach der Stärkung fuhren wir mit dem Bus weiter nach
Loket/Elbogen, um im Hotel St. Florian die Zimmer für die
kommende Nacht zu belegen. Doch noch war nicht Feierabend. Die Burg, die auf dem
Berg über unserer Unterkunft steht, wartete auf uns. Die Wege auf dem Hof und in
der Burg sind verschlungen. Holzgedeckte Burgmauern und Türme, seltene
Ausstellungsstücke und eine Hochzeitsgesellschaft fesselten unsere
Aufmerksamkeit. Die Burganlage befindet sich auf einem Granitfelsen, der von der
Eger umflossen wird, was heute sehr malerisch daherkommt.
Nach dem zünftigen Abendbrot mit Knödeln und Schweinebraten ging es für
einige noch zur "Arbeitsbesprechung" in den Bierkeller. Der nächste Morgen
startete mit einem Geburtstagsfrühstück für unseren Vereinsvorsitzenden Dr.
Fachmann. Im Bus wurde von Herrn Ebert das am Abend zuvor gedichtete
Geburtstagslied mit Unterstützung aller zum Besten gegeben. So fröhlich
gestimmt, wurde die erste Burg bzw. das erste Schloss des Tages erobert, in
Bečov nad Teplou/Petschau an der Tepla. Obwohl es sich um eine
große, wunderschön gelegene Anlage im Karslbader Kreis handelt, war unsere
Reisegesellschaft zur Teilung verpflichtet. So schauten sich einige die Räume
mit Ausstellung im Schloss an und andere die Baustelle in der Burg. Unter dem
Fußboden der Burgkapelle wurde 1985 die Reliquie des Heiligen Maurus entdeckt.
Maurus war ein christlicher Priester im 3. Jahrhundert. Seine Gebeine werden
heute in dem Reliquienschrein im Schlossmuseum ausgestellt als wertvolles Relikt
der Goldschmiedekunst in Tschechien.

Im Burghof von Bečov
Hinter dem Schloss befindet sich die romanische Burganlage, die im
30-jährigen Krieg stark zerstört worden ist. An den Außenwänden sind die Spuren
fast jeder Bauepoche zu erkennen. Die Burg Bečov ist eine der bedeutendsten
Burgbauten Böhmens. Der Wohnturm überrascht mit seiner ungewöhnlichen
Wohnlichkeit. Große, beheizbare Räume mit ausgemalten Fensternischen befinden
sich auf mehreren Etagen. Aufgrund der Baumaßnahmen war auch der Blick in das
riesige Dachtragwerk freigegeben. Wieder an der frischen Luft, stachen die
barocken Gartenanlagen unterhalb der Burg besonders kontrastreich hervor.
Beim ortsansässigen Bäcker wurden die Brotvorräte aufgestockt und bei
herrlichem Sonnenschein ging es nun, weitere Burgen am Wegesrand stehen lassend,
direkt zum Mittagsmahl in den Kurort Konstantinovy
Láznĕ/Konstantinbad. Und auch dort kamen die meisten um Knödel nicht
herum, die bei Familie Bocan serviert wurden.
Nach einer kurzen Busfahrt und einem kleinen Spaziergang kletterten wir auf
der Burgruine Gutštejn bei Okrouhlé
hradištĕ-Dankov/Guttenstein. Vor dieser wildromantischen Kulisse
entstand dann unser Gruppenphoto. Herr Tomáš Wizovský, Magister und
Burgenführer, knipste sich geduldig mit allen(?) Apparaten durch, dafür
herzlichen Dank.

Gruppenbild mit Apparat von Frau Wiegel
Schließlich erreichten wir Horšovský Týn/Bischofeinitz.
Neben bunten barocken Giebeln am Markt stehen die gelben, mit schwarzen und
braunen Steinen angemalten Fassaden der Schlossanlage. Nach einer sehr langen
Führung wussten wir dann, daß die Prager Bischöfe einst die Burganlage zur Zeit
der Gotik ausbauen ließen. Ein beeindruckendes Zeugnis ist die heute in der Höhe
"halbierte" Kapelle, die trotz dieses Umbaus nicht zum Bautyp der Doppelkapelle
angehört. Mitte des 16. Jahrhunderts folgte dann der heute noch prägende Umbau
im damals aktuellen Stil der Renaissance.
In Stříbro/Mies wartete das erste Hotel am Platze auf seine
Gäste. Zur Begrüßung spielte das Glockenspiel des Rathauses eine altertümliche
Weise. Ja, das Reiseglück war uns durchaus hold. Der Tag fand in urigen
Bierstuben der Stadt sein Ende, mit typischen Spezialitäten, wie z.B.
Knoblauchsuppe oder Palatschinken.
Am Sonntag dann fand sich schon das nächste Geburtstagskind in unseren
Reihen. Auch Frau Wemme gratulierten wir mit einem Ständchen.
Faszinierende Sternengewölbe wurden unter hohem persönlichem Einsatz,
teilweise auf dem Rücken liegend, in Bor u Tachova
photographiert. Zur weiteren körperlichen Ertüchtigung erstieg man dann den sehr
spitzen gotischen Bergfried und ließ die langen Fahnen von den Zinnen flattern.
Schon vor dem Turm war uns ein großer Sandstein aufgefallen, der von einem
merkwürdigen Vogel geziert wurde. Ente oder Gans?, das war die Frage. Doch weder
noch: ein Schwan war zu sehen, das Wappentier der Schwanberger. Es sollte uns
noch einmal begegnen.

Doch zunächst hieß unser nächstes Ziel Primda/Pfraumberg. Es
war warm, der Burgberg hoch, und so kam es, daß nur die wanderfreudigsten
Teilnehmer die Reste einer kleinen romanischen Burganlage zu Gesicht bekamen.
Diese Steine aber haben es in sich. Sie stellen den ältesten romanischen
Wohnturm in Böhmen dar! Die Bergkuppe ist nicht sehr groß, doch wir hatten
diesmal alle Platz und konnten bei der Aussicht auf den Bayerischen Wald den
Ausführungen unseres Führers lauschen.

Zwei Bergsteiger
Nach der Rückkehr der Bergsteiger gab es noch mal Knödel für alle - oder ein
anderes Essen nach Vorauswahl. Das Verdauungsschläfchen wurde im Bus gehalten
auf der Reise gen Heimat.
In Lauf an der Pegnitz machten wir noch einen kurzen
Abstecher zum Wenzelschloss. Es passte gut in das bewältigte Programm, schlug es
doch einen Bogen zu den bisher besichtigten Burgen. Für uns wurde der
einzigartige Wappensaal aufgeschlossen. Hier haben an den Wänden eines Raumes
114 farbig gefasste Wappenschilder von böhmischen Adelsgeschlechtern Platz
gefunden. König Karl IV ließ um 1360 auf der Pegnitzinsel diese Burg als
Rastplatz auf dem Wege von Nürnberg nach Prag errichten. Den Namen erhielt das
Schloss von dem böhmischen Heiligen Wenzeslaus. Und hier, zwischen Sternen und
Handschuhen, diagonalen Balken und Adlern, tanzte auch wieder der Schwan auf den
Bergen und verkündet uns noch heute von den Zeiten, als die Schwanberger was zu
sagen hatten.
Beim Abschlusspicknick irgendwo an der großen Autostraße nach Norden wurde
dann wieder demokratisch über das Reiseziel im nächsten Jahr abgestimmt, und
eins ist sicher: die Burgen werden nicht zu kurz kommen!
Photos: Tomáš Wizovský, Petra Wiegel (Eger), Lydia Winkler
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Vereinsfahrt 2007
Erwartungsvoll und frohgelaunt trafen wir uns am 31. August wie gewohnt am
Kirchplatz zur 12. großen Vereinsfahrt. Nachdem das Gepäck verstaut war und
jeder Reiseteilnehmer im Bus Platz genommen hatte, sprach es sich schnell herum,
dass mit Frau Wemme ein Geburtstagskind unter uns weilte. Für das
Geburtstagsständchen wurden wir mit einem leckeren Wackelmann belohnt.
Wie auch in den vergangenen Jahren übergab uns Herr Schmitt einen von ihm
erarbeiteten, „kleinen Reiseführer“, so dass jeder die Möglichkeit hatte, sich
auf das bevorstehende Programm einzustimmen.
Zuerst war die Besichtigung der Burg Adelebsen geplant, was aber aus
Zeitgründen leider nicht möglich war.
In Bad Gandersheim angekommen, besichtigten wir die alte Stiftskirche, deren
Kirchenraum das Gotteshaus eines Frauenstifts war. Die Kanonissen prägten über
1000 Jahre die Geschichte Gandersheims und der Region.

In der „Schatzkammer“ der Stiftskirche konnten wir die kostbaren Exponate,
die bisher nur auf Sonderausstellungen gezeigt wurden, vor Ort betrachten. Auf
unserem Rundgang durch die Stiftskirche – einer romanischen Basilika – wurden
wir auch an Roswitha von Gandersheim – die erste literarisch tätige Frau des
Mittelalters – erinnert.
Unsere Roswitha, aus Hirschroda kommend, macht sich seit Jahren einen Namen
als Organisationstalent bei der Vorbereitung der Vereinsfahrten. Beim Einkauf
für das Picknick denkt sie sowohl an die Naschkatzen unter uns aber auch an
jene, die es deftiger mögen, wovon wir auch diesmal profitierten.
Bei einem geführten Stadtrundgang durch die ehemalige herzogliche
Residenzstadt Wolfenbüttel begeisterten wir uns für die schönen Fachwerkhäuser.
Unsere Stadtführerin machte uns neugierig auf die Herzog-August-Bibliothek, das
Lessinghaus und andere Sehenswürdigkeiten der Altstadt.
Am späten Nachmittag bezogen wir Quartier im Hotel „Tulip Inn“. Nach dem
schmackhaften Abendessen ließen wir das Erlebte in gemütlicher Runde Revue
passieren. Am Sonnabend fuhren wir nach Goslar, um dort die Kaiserpfalz zu
besichtigen, die, trotz starker Umbauten im 19. Jahrhundert, ihre romanische
Grundgestalt aus dem 11. und 12. Jahrhundert bewahrt hat.
Beeindruckt waren wir von den heroischen Wandgemälden im Kaisersaal, welche
die Sternstunden deutscher Geschichte im Mittelalter und der wilhelminischen
Reichsgründung zeigen. Zu den original erhaltenen Teilen der Kaiserpfalz gehört
übrigens die Ulrichskapelle mit dem Grab Kaiser Heinrich des III.. Die Vielzahl
historischer Bauten in Goslars Altstadt lässt erahnen, wie der Erzreichtum des
Rammelsberges zum Reichtum der Bürger beigetragen hat.
Auf dem Marktplatz mit dem alten Brunnen, auf dem der goldene Reichsadler
thront, wurde ebenso wie unter den Laubengängen des Rathauses gehandelt. Die in
der Mauer eingelassene Elle sorgte für eindeutige Maße. Davor steht der Pranger,
eine Holzsäule, an der Missetäter angekettet wurden. Bloß gut, dass es derartige
Bestrafungen heutzutage nicht mehr gibt. Schade, dass wir das Glockenspiel,
dessen Figuren die Geschichte des Harzberghaus` darstellen, nicht hören
konnten.
Am Nachmittag besichtigten wir das Kloster Riechenberg, tranken im Kloster
Wienenburg/Wöltingerode Kaffee und erlebten anschließend eine interessante
Führung durch die historische Klosterbrennerei. Wir erfuhren, dass die
Zisterzienser-Nonnen die Brennkunst einführten.
Wie Jahrhunderte lang im Kloster üblich, wird noch heute der Feinbrand nach
alten und bewährten Rezepturen weiter verarbeitet. Im Gewölbekeller der
Klosterkirche ließen wir uns bei einer Verkostung den Abt, den Ingwerlikör und
andere edle Spirituosen schmecken. Unser Feinschmecker, Herr Schmitt, hat hier
mit Gewissheit ein besonderes Gaumenerlebnis verpasst.
Am Sonntagmorgen nahmen wir Abschied von Wolfenbüttel. Auf der Heimfahrt
machten wir Station in Braunschweig. Bei einer Stadtführung erfuhren wir, dass
die Stadt unter Heinrich dem Löwen (1129 – 1195) entstand und konnten zahlreiche
historische Sakralbauten bestaunen.

Ein unvergessliches Erlebnis war auch die Ausstellung des Welfenschatzes im
Herzog-Anton-Ulrich-Museum.
Letzte Station auf unserer Vereinsfahrt war Königslutter, eine Kleinstadt,
die wie Freyburg für ihren Muschelkalk bekannt ist. Wir besichtigten die
Stiftskirche mit dem Löwenportal und dem gut erhaltenen Kreuzgang.

Mit reichlich neuem Geschichtswissen gesättigt, konnte das abschließende
Picknick auf einem Rastplatz noch einmal dazu dienen, die Eindrücke der Fahrt zu
verdauen und den Organisatoren Herrn Schmitt und Frau Berbig sowie dem
Busfahrer, der diesmal so recht ins Konzept passte, herzlichst DANKE zu
sagen.
Eberhard und Edda Fabian
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Vereinsfahrt 2006
Wenn einer eine Reise macht ...
Am ersten Septemberwochenende 2006 hatten wir das Vergnügen, mit den
Mitgliedern des Neuenburgvereins die Sehenswürdigkeiten des Kreises
Schmalkalden-Meiningen zu entdecken. Obwohl wir im Freistaat
Thüringen unterwegs waren, lag den Schmalkaldenern daran klarzustellen, dass sie
sich zu den Hessen zählten. Und die Meininger gelobten, Preußen zu sein.

Die Geschicke des Landstrichs bestimmten lange Zeit die Grafen des
Henneberger Geschlechts. Sie haben zahlreiche bauliche Spuren hinterlassen. Zum
Beispiel in Veßra, dort errichteten sie ihr Hauskloster. Wo
früher reges Mönchsleben stattfand, kann man heute im Agrarhistorischen Museum
alte wiederaufgebaute Werkstätten und Wohnhäuser besichtigen. Von der Kirche
sind nach einem Brand im 20. Jahrhundert noch der imposante Westbau und die
Umfassungswände erhalten geblieben.
Den Hausberg der Henneberger erklommen wir im Rahmen des selbstauferlegten
Frühsportprogramms. Auf dem Henneberg ließen sich die
Herrschaften eine rundbogige Öffnung in ihre Burgmauer herstellen, um der
herrlichen Aussicht einen schönen Rahmen zu verpassen. Wir konnten von den
Ruinen über die wiederzugemauerte Bogenöffnung Richtung Westen noch eine weitere
Befestigungsanlage erkennen. Vielleicht wird der Wachturm an der Zonengrenze in
einiger Zeit auch als Ausflugsziel Bewunderung finden, wie die Reste der
Bergfriede der Ruine Henneberg.

Viel Arbeit haben die Herrenbreitunger mit ihren Kloster-
und Schlossgebäuden noch vor sich. In der Kirche ohne Chor waren angekohlte
Holzplastiken ausgestellt und vermittelten einen Eindruck von Weltoffenheit in
dem ansonsten fast schmucklosen Raum. Vom Turm konnte man einen schönen Blick
über das Werratal genießen. Zum Gelände um die Kirche gehört auch ein kleiner
Kräutergarten mit herrlich duftendem Ananassalbei. Von dem Förderverein vor Ort
wurde uns selbstgebrauter Holunderblütensaft angeboten. Insofern sprach dieser
Aufenthalt alle Sinne an.

Auf eine andere Art beeindruckend war die Führung durch die Burg in
Schmalkalden. Nach Einführung der Mäßigung am Hofe durften nur
noch 6 Becher Wein pro Tag getrunken werden – ein Becher fasste beinah einen
ganzen Liter des Getränks! Auch sonst haben sich die Dimensionen geändert. Im
Kamin der Schlossküche findet heute wohl eine ganze Einfamilienhausküche Platz.
Rollwerk oder Schlagwerk? Um die Türen und Fenster der Räume war beides
wiederhergestellt. Bei einem Orgelkonzert konnte man die protestantische
Anordnung von Altar, Kanzel und Orgel in Augenschein nehmen.
Eine Ahnung vom Leben im Mittelalter vermittelte ganz besonders gut die Burg
in Kühndorf. Die kuriose Geschichte des Ausbaus durch den
Johanniterorden berichtete der Burgherr (kein Poppo) sehr anschaulich. Durch die
Nutzung als Familiensitz strahlte die gesamte Anlage viel Lebendigkeit aus. Das
schöne Wetter, der mit Blumen geschmückte Innenhof und die Freiheit zum
Selbsterkunden haben diese Station zu einem besonderen Erlebnis gemacht.

In Meiningen besuchten wir die Elisabethenburg, eine
vierflüglige Schlossanlage mit unzähligen Zimmerfluchten. Im Schloss waren viele
authentische Objekte aus den Anfängen der Theaterzeit ausgestellt, so auch ein
hölzerner Kaminvorbau. Für die große Kostümausstellung in den Fluren blieb nur
ein kleiner Seitenblick, da der Schwerpunkt der Führung vor allem auf den
historischen Zimmerausstattungen lag.
Einen stillen Schauer (nach Anweisung) konnte man in der Krypta der
Rohrer Kirche spüren. Vor 1000 Jahren wurde dieser Raum
erschaffen. Was macht es da schon, dass auf der Suche nach einem Lichtschalter
plötzlich die Glocken anfingen zu läuten? Aus Versehen hatte jemand den Schalter
für die elektrische Läutanlage umgelegt und so ein spontanes Glockenkonzert
ausgelöst. Auch wenn bis unter die Traufe der Kirche noch karolingische Spuren
zu finden waren, der romanisch anmutende Tordurchgang in der Kirchhofmauer wurde
als Neubau von 1935 entlarvt.

Die Klosterkirche in Klosterrohr ließ eine Innenbesichtigung
nicht zu, weil dort eine Kegelbahn eingebaut wurde. Von Außen ist die Gliederung
der ehemaligen Nonnenkirche trotz Anbau des Treppenturmes noch gut ablesbar.
Doch bot sich das Objekt zur Diskussion über die Um- und Weiternutzung von
historischen Gebäuden an.

Die Besichtigung der romanischen Niederungsburg in
Untermaßfeld erfolgte aus sicherer Entfernung. Denn die heutige
Nutzung als Strafvollzugsanstalt erschwert den Auslass von Besuchern. Dafür
wurde die Phantasie über den Zustand der Gemäuer umso mehr angeregt.
Mit dem Irrglauben an die Wehrkirchen wurde auf dieser Reise Schluss gemacht.
Dafür erkennen wir jetzt befestigte Kirchhöfe. Typisch für sie sind
Umfassungsmauern mit wehrhaften Elementen, z.B. Schlüssellochschießscharten, wie
sie in Walldorf noch vorhanden sind. In
Belrieth und Vachdorf existieren außerdem noch
entlang der Mauern Gaden, die zur Lagerung von Hab und Gut der einzelnen
Familien dienten.
Im Regen verschwamm das Schleusinger Schloss, die
Bertholdsburg. Und in unserem Kopf verschwammen die vielen Eindrücke.
Lebensgeschichten und Baugeschichte wurden für uns erlebbar. Für den
reibungslosen Ablauf der Reise sorgte Roswitha Berbig. Die
Auswahl der Objekte und die Vermittlung des kulturhistorischen Hintergrundes
lagen in den Händen von Reinhard Schmitt. Dafür erhielten Sie
den Applaus aller Teilnehmer. Für die freundliche Aufnahme im Kreise der
langjährigen Vereinsmitglieder möchten wir uns herzlich
bedanken.
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