Juwel der Romanik

Die Neuenburg im Jubiläumsjahr

25 Jahre Straße der Romanik

"Die Doppelkapelle des Schlosses der alten Thüringer Landgrafen zu Freiburg an der Unstrut zeichnet sich […] durch künstlerische Vollendung aus. Die Kapitäle sind […] das Vollendetste, was wir vielleicht aus der ganzen Ornamentik des Mittelalters besitzen."

Überwältigt von ihrer Schönheit würdigte so der bekannte preußische Denkmalpfleger Ferdinand von Quast 1852 die berühmte romanische Doppelkapelle der Neuenburg. Das faszinierende Bauwerk mit seiner herausragenden Ornamentik verschlägt bis heute staunenden Besuchern den Atem. Es ist eines der Glanzstücke an der Straße der Romanik!

Die Neuenburg, Schwesterburg der Wartburg, wurde um 1090 gegründet und unter den Landgrafen von Thüringen prachtvoll ausgebaut. Bis 1230 entstand eine repräsentative Burganlage auf ca. 30.000 m² Fläche. Damit ist die Neuenburg ungefähr dreimal so groß wie die Wartburg und eine der größten hochmittelalterlichen Dynastenburgen Deutschlands überhaupt.

Noch heute sind die zentralen Bauten wie der Palas oder die Bergfriede gut zu erkennen und in der modernen Ausstellung „Burg und Herrschaft“ anschaulich dokumentiert. Die Besucher passieren Türen, durch die schon Kaiser Barbarossa, die Landgrafen Hermann I. und Ludwig IV. oder die hl. Elisabeth von Thüringen gegangen sind. Die Reste einer modernen Warmluft-Heizung können erkundet werden. Selbst die Besichtigung der doppelsitzigen Latrinenerker, also der „Hochmittelalter-Toilette“, ist möglich. Außerdem ist die Neuenburg einer der wichtigsten deutschen „Literatur-Orte“: hier vollendete der Dichter Heinrich von Veldeke mit dem „Eneasroman“ das erste ritterlich-höfische Versepos in mittelhochdeutscher Sprache.

Spurensuche

Zeugnis des Lebensumfelds sind die baulichen Gegebenheiten der Burg. Doch wie sah das Leben in den Mauern denn genau aus? In vielen Fällen wissen wir davon nur wenig: Möbel und Einrichtungsgegenstände existieren nicht mehr, Sachzeugnisse sind selten, Rechnungen und Aufzeichnungen gibt es nur wenige und oftmals ist die Überlieferung bruchstückhaft und zufällig.

Einen ganz besonderen Einblick erlaubt daher die Sonderausstellung vom 7. April bis 31. Oktober 2018 im romanischen Bergfried „Dicker Wilhelm“. Unter dem Titel „geformt. gebrannt. gebraucht.“ vereint die Schau höchst attraktive Exponate vom Mittelalter bis zur Renaissance aus der Keramik-Sammlung des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale).

Nähern Sie sich dem Alltag der Menschen und bestaunen Sie Luxus und Repräsentation. Hier erfahren Sie, woraus man aß und trank!