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„GOLDENER REITER“ AUF SCHLOSS NEUENBURG WIEDERERSTANDEN

Neuinszenierung des barocken Reiterstandbildes Herzog Christians von Sachsen-Weißenfels auf dem oberen Schlosshof

Auf dem oberen Schlosshof des Museums Schloss Neuenburg befindet sich mit den Resten des herzoglichen Reiterstandbildes von 1722 eines der bedeutendsten Zeugnisse barocker Herrscherdarstellung im mitteldeutschen Raum.

Opfer sozialistischer Willkür

Seit 1774 stand das Reiterdenkmal auf dem Marktplatz von Freyburg an der Unstrut. In der Nacht vom 8. zum 9. Juli 1948 wurde das Monument auf Betreiben der örtlichen FDJ-Funktionäre als Erinnerung an einen feudalen Despoten, der über einen geknechteten Leibeigenen reitet, mit Hilfe eines Traktors vom Sockel gerissen und zertrümmert. Die Fragmente lagerte man achtlos im Stadtgraben ab. Erst 1993 konnten diese bei Sanierungsarbeiten am Eckstädter Tor und der Stadtmauer in Freyburg wieder aufgefunden, geborgen und im oberen Schlosshof der Neuenburg zur Wiederaufstellung gebracht werden.

Annäherung an die Wirklichkeit

Die zweifelsohne wichtige Präsentation der Denkmalsreste aus dem Jahr 1993 wurde der zunehmend erkannten Bedeutung des Kunstwerks aber nicht mehr gerecht. Im Zusammenhang mit der Sonderausstellung „Das Jagdschloss Neuenburg“, welche aus Anlass des Jubiläums „400 Jahre Herzog August von Sachsen-Weißenfels“ im Jahr 2014 die Korrespondenz zur großen Exposition „Im Land der Palme“ der Moritzburg/Landeskunstmuseum in Halle (Saale) bildet, erfolgte nun eine wesentlich wirkungsvollere Inszenierung.

Das Original in seiner Gesamtheit ist beschädigt und partiell verloren. Daher verbot sich eine bildkünstlerische 1:1-Rekonstruktion. Vielmehr musste es darum gehen, den Torso in einen Bezug zum Gesamtbild zu setzen und das „Erlebnis Reiterstandbild“ nachvollziehbar zu gestalten. Hierzu verblieben die Denkmalsreste am bisherigen Standort, da das Denkmal auch im 18. Jahrhundert auf dem oberen Schlosshof aufgestellt war. Vor der Wand dahinter entstand eine Präsentationsfläche von ca. 5,30 Meter Höhe und 3,80 Meter Breite. Die auf ein durchscheinendes Textil gedruckte bildliche Darstellung des Denkmals vermittelt eindrücklich den originalen Größeneindruck und durch die teilweise gelbliche Farbgebung wird auch die ursprüngliche Vergoldung angedeutet. Die vorgelagerte Kiesfläche verbindet die Wanddarstellung wirkungsvoll mit dem Torso und eine Erläuterungstafel gibt nun dauerhaft Einblick in die wechselvolle Geschichte des Denkmals.

Das barocke Reiterstandbild Herzog Christians von Sachsen-Weißenfels (reg. 1712-1736)

Das vergoldete Standbild wurde 1722 anlässlich des 10jährigen Regierungsjubiläums des Herzogs auf dem so genannten Schlossplatz vor dem Fürstenbau des Schlosses Neuenburg errichtet. Bekleidet ist der Fürst mit einem Jagdkostüm, Allongeperücke und dreispitzigem Hut. Dieser Habit steht im Einklang mit der Funktion des Schlosses Neuenburg als Jagdschloss. Durch die Jagd nahm der Herzog sein landesherrliches Privileg wahr und unterstrich so den Herrschaftsanspruch. Die traditionell vornehmste Art der Herrscherdarstellung, ein Reiterstandbild, kam auf Schloss Neuenburg zur Aufstellung, weil Herzog Christian sich eben hier, und nicht in Weißenfels, bis 1719 auch umfangreich als Bauherr betätigt hatte.

Den Blick in imaginäre Ferne gerichtet, reitet der Herrscher – fast erstarrt wirkend – geradeaus. Ähnlich statisch wirkt die Darstellung des Pferdes. Unter dem Tier befindet sich eine nackte männliche Gestalt mit schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck, die den rechten Arm schützend über ihren Kopf hebt und in ihrer Dynamik einen deutlichen Kontrast bietet. Mit den Schlangenlocken trägt sie das Attribut der antiken Invidia, des Neids. Im allegorischen Verständnis wird der Neid durch die Güte, die Bonitas, besiegt. Deren Symbol, die Raute, findet sich im Wappen der Wettiner. Somit symbolisiert die Figurenkonstellation ein Idealbild: Der gütige und weise Landesvater hat das in wilden Bewegungen zuckende Laster überwunden.

Nach dem Tod Herzog Christians veranlasste sein Nachfolger, Herzog Johann Adolph II., 1744 die Umsetzung des Reiterdenkmals in die Jagdanlage Klein-Friedenthal. Im Zusammenhang mit deren Abbruch wurde das Reiterstandbild 1774 an die Stadt Freyburg verkauft. Diese ließ das Monument zum Marktplatz überführen, neu vergolden und in schon verklärender Rückschau einer für die Kommune gedeihlichen Zeit im Herzogtum Sachsen-Weißenfels aufstellen. Im Jahr 1948 erfolgte dann aus politischen Gründen die mutwillige Zerstörung.



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Letzte Aktualisierung am 16.10.2014